Samstag, 9. November 2019

Sábado en el Sacromonte





Samstag in Granada, was habe ich erwartet? Dass ich die Einzige bin, die den Bus hinauf auf den Heiligen Berg nehmen will? Dass jetzt Nebensaison ist? Viel weniger Deutschsprachige als im Sommer, aber massenhaft italienische und vor allem spanisçhe Touristen höre und sehe ich, Amerikaner und Engländer samt Frauen natürlich auch.


Ende des 16. Jahrhunderts fand man hier Reliquien des Heiligen Cecilio, der ein Schüler des Apostels Jakobus gewesen war und am 1. Februar 55 den Märtyrertod starb. Flugs stellte man an die 1200 Kreuze in der Umgebung der Fundstelle auf und Sacromonte war geboren. Pilger kommen seitdem das ganze Jahr über, und in der Stadt der Alhambra sei sowieso immer Hochsaison, erzählt die Führerin in der Abadía del Sacromonte, die Anfang des 17. Jahrhunderts errichtet wurde. Und genau hier wollte ich heute her, denn Klöster sind immer schön gelegen und dieses hat außerdem eine Santa Cueva, was vielversprechend klingt.



Klosterkatze vor La Alhambra (links), der Stadt Granada (Mitte)
und Resten der maurischen Stadtmauer (rechts)

Ohne Klosterkatze

Ein Nebenzugang zum Kloster,
wo ein Priester gerade die Familie eines Täuflings empfängt

Die Eintrittsgelder sollen ein neues Dach finanzieren -
bei nur 5 Euro pro Person wird das dauern

Hinein ins Kloster

Die Heilige Höhle wird zuerst besichtigt, alles sehr niedrig und heilig, danach geht's in die Klosterkirche, wo wir genau zwei Objekte photographieren dürfen:


El Cristo de los Gitanos, der Jesus der Roma,
die hier am Sacromonte schon immer leben

Seine Mutter im Novemberkleid

Sogar ein Gemälde Goyas hängt hier im Kloster, man besitzt auch einige tausendjährige Schriften, besondere Teppiche und Bleitafeln. Beeindruckend, aber die wirkliche Attraktion für mich kommt nach der Führung. Ich beginne den Camino de Sacromonte hinunter zu gehen, den ich bergauf im übervollen Minibus zurück gelegt habe. Einige Male bin ich hier schon gegangen, vor 30 Jahren und heuer, und immer wieder freue ich mich, wenn ich die Alhambra aus verschiedenen Höhen und Winkeln sehe, und wenn ich die weißen Höhlenhäuser verstohlen betrachte, weil sie keine Monumente sind, sondern Wohnungen meist armer Granadinos.


Am Weg zurück in die Stadt ist er wieder da,
el gato de la Abadía, und genau gegenüber ...

... otro gatito


Und immer wieder La Alhambra


Auf dem Camino del Sacromonte


Ein vergessenes Kleidungsstück

Wenn die Zwei rauf gehen, bleib ich herunten
und folge der allernächsten Familie in ein Restaurant,
egal in welches

Mein Mittagessen

Nach einer Reis mit Irgendwas-Tapa kommt die Tortilla del Sacromonte, vor der die Klosterführerin gewarnt hat, weil -- na ja, das hab ich nicht genau verstanden, irgendwas mit Zutaten, die manche Touristen abstoßend finden könnten. Aber mein Magen hält viel aus und ich bin hungrig.


Nicht die beste Tortilla meines Lebens,
und nach zwei Eiern zum Frühstück vielleicht auch nicht
die beste Wahl heute

Im Restaurante Casa Juanillo
liebt man die Erinnerung an den Stierkampf


Am Heimweg schaue ich zuerst im Garten des Palacio de los Córdova vorbei und kaufe dann in einer meiner Lieblingskonditoreien eine kleine Nachspeise, denn immerhin ist Samstag und in zwei Wochen unser Schulball. Vielleicht platzt das Ball-Outfit und ich muss zu Hause bleiben.


Mindestens einer der Wachlöwen vor dem Palast
ist auf mindestens einem Aug blind, drum bleibt der palacio versperrt





Soll ich zur Alhambra rauf wandern?
Robert Kennedy Jr ist in der Stadt,
aber es ist ein anderer US-amerikanischer Robert (Frost), der mir die Entscheidung abnimmt:
'Two roads diverged in a yellow wood ... '
Und am Ende der vierten Strophe:
' ... and I --
I took the one less traveled by,
And that has made all the difference.'


Dank Google erfahre ich zuhause auf der Couch, was die Hauptzutaten der Tortilla del Sacromonte sind: erstens, criadillas de cordero, das sind Lamm... Lammhoden; zweitens, sesos, also Hirn; drittens ... hör ich auf zu recherchieren. Ab heute frage ich nach, was in den Speisen drinnen ist, bevor ich sie bestelle.


Wäre ich den Alhambra-Hügel hinauf gestiegen, hätte ich mir ziemlich sicher keine leckeren Nachspeisen gegönnt (ja, es waren zwei), und dann wäre mir jetzt vielleicht nicht schlecht. Wenn. Wir Sprachlehrerinnen lieben den Konditional. Wenn Isabel oder wer immer die Statue sein soll im Rathaus, die meine kleinen Desserts bewacht hat, während ich mir neue Stadtpläne als Souvenirs geholt habe, also wenn die Dame aus Stein ein bisschen blind wäre und nicht so gut aufgepasst hätte auf meine Zuckersachen, hätte sie wer anderer essen können. Dann wäre mir nicht so übel, dass ich nicht mehr aus dem Haus will. Oder kann es sein, dass mein Magen auf das neue Wissen um die Lammdinger reagiert?


Gibt es keine hungrigen Touristen
in Granadas Ayuntamiento?
Isabel Nr 2 bewacht meine Papiersackerln