Montag, 4. November 2019

El Instituto de la Enseñanza Secundaria Pedro Soto de Rojas



Granada! Viel kälter als Murcia und Valencia, und immer wieder schön. Wie angenehm, dass ich bis 9 Uhr abends einkaufen kann, was in meiner kleinen Küche nahe der Puerta Real fehlt. Wie angenehm auch, dass die gemietete Unterkunft zentral, aber nicht allzu weit von meiner Kurzzeit-Schule liegt.


Hypernervös brauche ich für den Schulweg am Montag Morgen nicht 30, sondern 50 Minuten, weil ich mich bei Nieselregen in Urlaubsstimmung treiben lasse und den unzähligen Eltern mit jungen Kindern folge, die aber natürlich nicht zum IES Pedro Soto gehen. Ob heute der erste Tag in einem neuen Quartal sei, weil so viele Erwachsene mitkämen mit ihren Buben und Mädchen, frage ich eine Mutter. Nein nein, das sei jeden Tag so, son muy pequeños. Hmmm. Acht, neun Jahre sind sie bestimmt, die Schülerinnen und Schüler der CEIP Abencerrajes, die zu jung sind, um allein zur Schule zu gehen. Kurz vor neun ein äußerst schrilles Geräusch, sirenenähnlich, aber niemand scheint beunruhigt, und ein paar Minuten später höre ich es wieder - es ist die Schulglocke, die zur Pflicht ruft.

Weiter zu meiner Schule. Oh nein, hier ist eine, aber es nicht die meine, sondern CEIP Sierra Nevada, also wieder eine Volksschule für Kinder bis zwölf. Noch eine Straße weiter, leicht erhitzt, stehe ich endlich vor dem richtigen Schulzaun. Ein Tor. Versperrt. Was tun? Mein Termin mit dem Herrn Direktor ist in zehn Minuten... Ein paar zu spät Gekommene läuten an und wir dürfen aufs Schulgelände. IES Pedro Soto de Rojas ist eine junge Schule, vielleicht zwanzig Jahre alt, benannt nach einem hiesigen Lyriker des 17. Jahrhunderts, den auch Federico García Lorca geschätzt hat. Die zweite Stunde beginnt, als ich eintreffe, und Direktor P. Pablo Serrano González nimmt sich viel Zeit für mich und meine Fragen. Nach einem Rundgang durch Lehrerzimmer und andere Räume im Erdgeschoss übernimmt Charo, eine nette Englischkollegin.


Bevor ich meine erste Stunde erlebe, darf im Schulbuffet, wo Lehrer und Lehrerinnen im Separee sitzen, zumo de naranja natural trinken. Sympathisch.


In der Mitte an der Buffetbar ein großer Flamenco-Fan,
der Latein- und Altgriechischkollege

Aber jetzt geht es los, mein Hospitieren: Englisch mit 29 Zwölfjährigen, hier also ErstklässlerInnen. Sind die laut! Mein Kollege mahnt alle drei Minuten zur Ruhe, fast immer auf Englisch, aber zirka ein Drittel der Schülerinnen will nicht in der Zielsprache reden und ein weiteres Drittel macht andere Dinge: ein bisschen malen, Papierfiguren ausschneiden, leise tratschen. Wenn ich von Österreich und meiner Katze erzähle, ist es ruhiger im Raum, aber Fragen zu ihren eigenen Haustieren wollen alle gleichzeitig und nicht ausschließlich auf Englisch beantworten. Sehr anstrengend für meine alten Ohren, die so junge SchülerInnen nicht mehr gewöhnt sind.

Ich erzähle, was ich in den letzten Tagen in Spanien gegessen habe und bekomme hunderte Antworten, laut, lauter, am lautesten, als ich um Empfehlungen zu andalusischen Gerichten bitte. Wir einigen uns darauf, dass die Kinder ihre Ideen an die Tafel schreiben. Zu Hause würde ich zuerst eine Hälfte der Klasse, dann die andere an die Kreidestückchen lassen. Hier sucht der Kollege nur brav Aufzeigende aus. Das dauert ewig, ist laut und etwas langweilig.

In der Zwischenzeit rede ich mit fast allen Kindern an ihren Tischen, sehe überall das Textbook Pulse, Andalusian edition, Schreibblöcke und tausend bunte Stifte, die oft zu Boden fallen (gelassen werden). Bewegung fehlt den jungen Lernern. Was ich nicht sehe, sind Telephone, Getränke oder Essen. Angenehm, im Vergleich zu daheim, wo ich in jeder meiner Klassen Schülerinnen oder Schüler habe, die ihr Futter vor sich liegen haben und manchmal versuchen zu essen. Wasser sollen sie trinken, aber immer wieder bringen manche Kaffeebecher mit oder Dosen mit Energy Drinks. Von alle dem ist hier keine Spur.


An English lesson in Year 1


Die Kinder wollen wissen, warum ich ihre Gruppe photographieren möchte, also schlage ich vor, meine bisherigen Blogeinträge an die weiße Wand zu projizieren. Ein Mädchen spricht zu Hause mit seinem Vater Deutsch, könnte also verstehen, was ich geschrieben habe. Allein, das strenge Internetprogramm der Schule lässt mich nicht auf meinen Blog zugreifen, und ich verabschiede mich von den schreienden, lächelnden, winkenden Schnuckelchen.


Meine Speisekarte für die nächsten zwei Wochen,
bloß die Suppe mit Erdäpfeln, allerlei Wassergetier
und Mayonnaise lass ich sicher weg


IES Pedro Soto ist ein großes Gebäude für etwa 800 Schülerinnen und Schüler, mehr als 70 Lehrkräfte und einige weitere guten Geistern in der Administration, im Sekretariat und beim Empfang, wo man auch alle Kopien für den Unterricht in Auftrag gibt. Himmlisch. Ja, die Wände sind arg grün verfliest, aber die relativ engen Gänge sind mit Absolventenphotos, Landkarten und Ausflugsberichten dekoriert. Wirklich sympathisch, genau wie der Direktor und sein Team, das überwiegend aus Männern besteht. Auch in Spanien sei das die Ausnahme, versichert er mir. Er hat übrigens keinerlei Mitspracherecht in Personalentscheidungen, die zentral für ganz Andalusien getroffen werden.


Noch gibt es vieles, das mir nicht klar ist am spanischen Schulsystem, aber morgen geht es weiter, mein Praktikum in Granada.


Mein Stundenplan, in den wir spontan
für Donnerstag und Freitag je eine Exkursion
eingefügt haben: sehr sympathisch


Und jetzt brauch ich meinen Schlaf, noch bevor ich die zweite Hospitationsstunde von heute Mittag beschreiben kann, die in jeder Hinsicht anders war als meine erste. Más, mañana.


Dicke Socken für müde Pfoten auf kalten Wohnungsfliesen


Ein P.S. in Sachen Tablet: die Besitzerin desselben feiert morgen Geburtstag --- sie lebe hoch!