Mittwoch, 13. November 2019

¿Generalife, Alhambra o nada?



Wieder einmal nimmt sich der Direktor des IES Pedro Soto de Rojas Zeit für meine Fragen, staunt, dass unsere Vormittagspause so kurz ist, erzählt von der gestrigen Evakuierungsübung und freut sich, dass mir mein Aufenthalt hier so gut gefällt.


Als sich herausstellt, dass mein heutiger Stundenplan nicht ganz passt, darf ich im berufsbildenden Zweig der Schule, den junge Menschen nach Abschluss der Pflichtschule besuchen können, hospitieren. Eine Gruppe von dreizehn Jugendlichen ist mitten im Rollenspiel: ein alter Mann braucht ein Notrufsystem, die Helferinnen in Ausbildung bringen und erklären es ihm, rufen ihn an und reagieren auf seine Anrufe, und als er sich einmal beim Kochen verbrennt, wird rasch ein Rauchmelder installiert. Zusätzlich rät man dem Mann, doch an einem der Kurse der Stadtverwaltung teilzunehmen, statt nur zu Haus zu bleiben.

Die jungen Frauen werden hier zu Gesundheits- und Hygienefachkräften ausgebildet, machen nach zwei Jahren Schule ein Praktikum und können dann in Sozialberufen arbeiten.


Einer der Räume für SchülerInnen der
Berufsbildung

Auch das ist Teil des Klassenzimmers

Die Jugendlichen wirken sehr sicher bei ihrem Rollenspiel, sind eloquent, sprechen laut und meistens deutlich, und ich kann sie mir gut vorstellen in einem Sozialberuf.


Statt mit dem US-amerikanischen Assistenten in eine Physikstunde zu gehen, darf ich dann beim Kochen dabei sein: die zweite Gruppe der etwa 30 angehenden Pflegefachkräfte, die heute zum ersten Mal eine Dreistundeneinheit im hinteren Teil ihres Klassenraums verbringt, arbeiten an einem mehrgängigen Menü: es gibt einen kleinen Salat, ein Risotto mit bacon (nein, nicht guter spanischer Schinken wird hier verbraten, bloß fetter Speck), Pasta mit bacon und ganz viel Käse (a la americana, eh klar) und Obst auf Keksboden mit sehr viel Butter und Zuckerjoghurtcreme. Nudeln und Salat schenk ich mir, der Rest ist vorzüglich. Eigentlich wollte ich am Nachmittag doch noch hinauf zur Alhambra und in den Generalife-Garten, doch es regnet ziemlich stark, ich bin zum Essen eingeladen und muss Blog schreiben. Ich habe es geschafft, zwei Wochen hier zu sein, ohne dem Wahrzeichen der Stadt zu nahe zu kommen. Muss ich halt wiederkommen nach Granada.



Die Schülerinnen posieren vor der Küche und
verdecken dabei den Herd

Im Hintergrund der Ernährungslehre-Kollege,
der lieber daheim isst

Ein für mich interessantes Detail, das ich am Esstisch von den jungen Frauen erfahre: eigentlich beginnt die Beschäftigung mit der englischen Sprache hier in Spanien im Alter von drei Jahren, das heißt jede Spanierin, jeder Spanier erhält gut zehn Jahre Englischunterricht. Alle hier am Tisch waren unzufrieden mit ihren Englischstunden in der Primeria, also in den ersten sechs Schuljahren, und sagen, dass sie deshalb schlecht sprechen können und wenig verstehen, wenn jemand auf Englisch mit ihnen redet. In den beiden Jahres der Berufsbildung gibt es gar keine Fremdsprache mehr für sie. Schade.


Auf manche Fragen finde ich noch keine Antwort. Morgen vielleicht, wenn ich zum dritten Mal an einer Schulexkursion teilnehmen darf. Jetzt aber gehört mein Abend dem Shoppen und Fernsehen: ich muss wissen, was das Königspaar auf Kuba macht.